Urlaub

Wer im November im Urlaub war, muss sich erklären. Bei Sonnenbräune aus der Karibik oder Sharm el Sheikh fällt das leicht. Myrtha und ich aber waren in Belgien. Da fährt keiner hin. Schon gar nicht im November. In Habey-la-Neuve gibt es weder einen Strand, noch muss man auf Berge steigen. Es gibt keine Museen und kein Gourmet-Restaurant, keine Radwege und keine mittelalterliche Altstadt. Auch zu fotografieren gibt es nichts. Nichts zu grillieren, nichts textilarm Volleyball zu spielen, nichts tätowierte Sixpacks vorzuführen, nichts super zu finden und nichts glücklich zu sein. In Habey-la-Neuve gibt es nichts. – Es war der Hammer! Endlich waren wir nur noch uns selbst, befreit von Genusszwang und all den Glücksattentaten des Sommers am Wasser, von der Zumutung, etwas toll finden zu müssen. Wir konnte die Dorfstrasse rauf und runtergehen, die im November geschlossene Kneipen ignorieren, und weil es die ganze Zeit schüttete, brauchten wir auch keinen Sonnen­untergang zu bestaunen. Herz, was willst du mehr?
Nicht mal etwas zu reden gab es. Myrtha hat auf einer ver­blichenen flämischen Zeitschrift rumgekritzelt. Ich habe meine Zehennägel geschnitten. Noch nie habe ich meinen Körper derart gemocht. Und ihren. Alles nur, weil keiner sagte, der Bus zu den Pyramiden fahre in 10 Minuten. Oder es gäbe einen neuen Club, der sei angesagt. Stattdessen sind wir durch den Matsch gegangen, durch den Regen und durchs verrottete Laub. Andere sind im November in den Urwald gefahren – wir ins Ur-Laub. Nächstes Jahr fahren wie wieder nach Habey. Aber eher im Februar. Dann soll das Wetter noch schlechter sein.

Teile diesen Film in deinem Netzwerk